An article by Jens Hause (English)
- Arte.TV / Das European Media Art Festival in Osnabrück - 22/05/09

GO EUN IM - "NO(W)HERE"
In "No(w)here", the Amsterdam based Go Eun Im (KR), creates a playful blurring of the lines between ‘seeing’ and what is ‘seen’. The text "NO(W)HERE" appears as a mirrored inscription, framed and hanging on the wall. This framed text is recorded by a video camera and projected as a live feed on the wall next to the original, slightly smaller in scale, but now reversed into a readable text. Stirring the questions, is the copy now perceived as the original precisely because it becomes comprehensible? And are the real time privileges of the new media image enough to capture the essence of the original?

However, Go Eun Im's conceptual installation may in its choice of words refer to a very different kind of mirror. In Samuel Butler’s 1872 satire of Victorian England, the novel takes place in a dystopian land called Erewhon, where artificial verbiages dominate reality and financial transactions are a substitute for religion. The structure and appearance of Butler’s work has an uncanny resemblance to many of the video sculptures of Go Eun Im’s, suggesting another close proximity to compatriot Nam June Paik, particularly in the works "TV Buddha" and "TV Rodin".

In both sculptures, either Buddha or Rodin's “Thinker” sit in front of a TV monitor. A video camera records the statues and transforms their images into a live feed on the monitor. Buddha now meditates in front of his own image, rather than the nothingness of a white wall, while the melancholic thinker seems to be numbed by the medium of television. In both cases the cultural differences drain away in front of the universal media technology. Go Eun Im's "No(w)here" takes another turn to this spiral.


GO EUN IM - "NO(W)HERE"

Mit dem Verschwimmen von Gesehenem und Gesehenwerden spielt auch die Arbeit "No(w)here" des in Amsterdam lebenden südkoreanischen Künstlers Go Eun Im. ‚Nirgends' oder einfach ‚nicht hier'? Die originale, aber spiegelbildlich in einen Bilderrahmen montierte Inskription wird verdoppelt, indem sie von einer Videokamera aufgenommen und mittels Projektor direkt daneben als leicht verkleinertes Double versetzt - aber ins Lesbare verkehrt - an die Wand geworfen wird. Wird die Kopie als das Original empfunden, weil sie nun das Verständnis ermöglicht? Wird die Medialisierung in Echtzeit, die in ihrer potentiellen Umkehrung des real Eingefangenen den Schein zum Sein macht, vorgezogen? Das unlesbare Eigentliche wird im Nirgendwo der Übertragung zur Botschaft.
Doch ob beabsichtigt oder nicht - Go Eun Im's konzeptuelle Installation mag in ihrer Wortwahl auf eine ganz andere Umkehrung verweisen: Samuel Butler lässt 1872 seine dystopische Satire auf das viktorianische England in einem Land Namens Erewhon spielen, in dem künstliche Sprachfloskeln die Realität beherrschen und Geldgeschäfte zur Ersatzreligion werden. Nun suggeriert der Aufbau der Arbeit weiterhin eine gewisse Nähe zu den Videoskulpturen von Go Eun Im's Landsmann und Leitfigur der Videokunst Nam June Paik, insbesondere dessen "TV Buddha" und "TV Rodin". In beiden sitzen entweder Buddha oder Rodin's Denker einem Monitor gegenüber. Eine dahinter aufgestellte Videokamera nimmt die Statuen frontal auf und läßt sie wiederum auf dem Monitor erscheinen. Buddha meditiert also vor seinem Abbild statt im Nichts vor einer weissen Wand, während der melancholische Denker wie vom Fernsehmedium betäubt scheint. Kulturunterschiede versickern in den technologischen Universalmedien. Go Eun Im's "No(w)here" dreht diese Spirale eine Umdrehung weiter.

EIN ARTIKEL VON JENS HAUSER

http://www.arte.tv/de/Kultur-entdecken/kultur-digital/2602848.html